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Tschö, WIZARD!

24/01/2011

Das war’s. Wizard, das wohl bekannteste US Comicmagazin, stellt die Printausgabe ein. Der Plan ist es, in Form eines Onlinemagazins weiter zu machen.


Auch wenn die letzten Jahre eher unglücklich waren, nachdem ich zu Beginn der 90er den Wechsel als Leser der deutschen Übersetzung zu den Original US Heften vollzog, war Wizard fast von Anfang an mit dabei. Irgendwo her musste man die Informationen über neu Serien ja bekommen. Mein damaliger Comicmann war hauptsächlich firm in den Themen Don Rosa und Hergé, und Superhelden eher ein Zubrot. Internet hatte niemand (Oppa erzählt vom Kriech…) und so war ich froh über jede Information zum Thema US Comics derer ich habhaft werden konnte. Und Wizard hat seinen Job gut gemacht. Viellicht manchmal etwas zu gut, ging doch auch damals schon Hype über Substanz. Das wirkte allerdings weniger wie Kalkül als mehr wie echte Begeisterung für Superstar-Zeichner, neue Creative Teams und Serien. Und begeistert war ich auch. Das passte schon. Es gab massenweise tolle Rubriken, wobei mir vor allem die Zeichenkurse mit Größen des Business wie Adam Hughes und der Casting Call, das hypothetische Besetzen der Charaktere einer bestimmten Serie mit populären Schauspielern, in Erinnerung geblieben sind. Es gab öfter Poster und meist Sammelkarten als (Werbe)Beigabe, und das Cover war fast immer ein Exklusivwerk eines namhaften Zeichners. Interviews waren oft seitenlang. Humor, wenn auch recht infantil, allgegenwärtig. Man nahm sich nicht zu ernst. Und obwohl mir als Image-Fanboy Marvel und DC etwas überrepräsentiert waren, und ich über die seitenlange Preislist im Anhang jeder Ausgabe, angefüllt mit Fantasiepreisen um den Spekulatorenboom weiter anzuheizen, nur den Kopf schütteln konnte,  ich hab mich jeden Monat auf das neuen Wizard gefreut.


Eine Knacks in der schönen Comicinfowelt gab es als sich Wizard Herausgeber Gareb Shamus um die Jahrtausendwende herum eine Traum erfüllt und einen eigenen Comicverlag gründete. Black Bull. Es gab zwar einige lesenswerte Titel hochkarätiger Zeichner und Autoren (u.a. Garth Ennis Just A Pilgrim), doch ein Interessenkonflikt zwischen Wizard und Black Bull war nicht nur vorprogrammiert, sondern wurde regelrecht forciert. Ehemals eher Hypemaschine für die beiden großen Publisher, nahm das Blatt nun jede Gelegenheit war um Titel aus dem Schwesterverlag in den Vordergrund zu rücken. Die Comicblase war jedoch kurz vorm Kollaps, Millionenauflagen bald Vergangenheit, und somit verschwand auch Black Bull bald nach nur einer Hand voll veröffentlichter Titel wieder in der Versenkung. Die eklatante Eigenwerbung hinterließ jedoch einen faden Beigeschmack und ich verlor langsam das Interesse an dem Magazin, dem es ja so offensichtlich doch nur um den eigenen Erfolg und dem damit verbundenen Mammon ging, und nicht um das Medium Comic.


Wie richtige diese Einschätzung war sah man bald darauf. Mit schwindenden Verkaufszahlen im Comicmarkt wand sich Wizard dem nächsten Goldesel zu: Hollywood. Ob Singers X-Men oder Raimis Spider-Man, es gab kaum noch ein anderes Thema. Nun zierten jeden Monat Promofotos aus der Traumfabrik, auch gerne mal nur mit geringem Comicbezug, die Cover. Langweilig, waren sie doch mittlerweile schon längst aus dem Internet bekannt. Auch die Comicbericht- erstattung hatte sich hierher verlagert. Warum auf ein gedrucktes Interview warten wenn sich Autoren und Zeichner auf Messageboard tummelten. Schon früh hat sich die Comic-Community als sehr internetaffin herausgestellt. Es kam wie es kommen musste, Wizard versank in der Bedeutungslosigkeit.


In den letzten Jahren machten Wizard und Shamus, längst jedes Vertrauen der Industrie verloren, eher durch zweifelhafte Geschäftsgebaren und einen unsozialen Umgang mit angestellten und Freelancern von sich reden. Auch entwickelte sich der Kauf zahlloser kleinen und auch größeren Comic-Conventions inklusive deren Umbenennung zu sogenannten Wizard World Cons, zu einer Art Running Gag. Offensichtlich wurde hier noch mal Geld gewittert.

Es lässt sich also sagen das das Ende des Printmagazin keine große Überraschung ist. Wenn überhaupt ist es verwunderlich das es noch bis zuletzt erschienen ist. Wie man hört verläuft die Umstrukturierung alles andere als reibungslos und es herrscht weiterhin das aus den letzten Jahren bekannte Chaos (so haben die wenigen verbliebenen Angestellte erst am Tag ihrer Kündigung von der Einstellung des Magazins erfahren). Das lässt doch arge Zweifel daran aufkommen, dass Wizard es schaffen wird, online Fuß zu fassen.

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6 Kommentare leave one →
  1. 25/01/2011 01:55

    Lustig, ich wollte grad EXAKT das gleiche schreiben! Bin genau deiner Meinung und glaub auch nicht das man sich online durchsetzten wird.

  2. 25/01/2011 10:05

    Sieht wohl jeder irgendwie ähnlich und ist auch unbestritten. Früher war der Wizard echt ein spaßiges Magazin, gegen Ende nur noch bestenfalls peinlich.

  3. 25/01/2011 12:21

    Sehr Schade fine ich aber das auch ToyFare eingestellt wird. War immer die beste Quelle für Sammelfiguren.

  4. 25/01/2011 12:36

    Das hab ich, in Ermangelung an Interesse am Thema, nie gelesen. Schätze aber das die Internetquellen da auch nicht so gut sind wie zum Thema Comics.

  5. 25/01/2011 14:04

    Ja daher hab ich davon auch ein paar Ausgaben hier liegen. Wirklich gebraucht hab ich dann doch nie war trotzdem meistens ganz interessant.

  6. 26/01/2011 01:08

    Wüsste auch noch gerne ob meine alten Wizard Ausgaben noch irgendwo rumfliegen oder ob ich die mal entsorgt habe.

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