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Venom #1

14/04/2011

Das ich mir mal eine Venom Solotitel zulege hätte ich auch nicht gedacht. Ich bin mit McFarlanes und Michelines Spider-Man aufgewachsen, und ihr erster Venom Arc war auch ein Kracher. Aber danach wurde mir die Figur schnell langweilig. Am besten funktionierte der Symbiont aus meiner Sicht als Plot-Device (so wie in Mark Millars MK Spider-Man Run), und spätestens nach dem Wechsel auf einen neuen Wirt hatte ich endgültig das Interesse verloren. Auch der aktuelle Host Flash Thompson interessiert mich eher als gelegentlicher Spidey-Supportcharakter denn als Titelheld. An dem bewährten Fear Agent Team Rick Remender und Tony Moore komm ich allerdings nicht vorbei, Venom hin, Flash her.

In einem generischen osteuropäischen Land fliehen generische osteuropäische Menschen in einem generischen osteuropäischen Bürgerkrieg vor einer generischen osteuropäischen Bedrohung und reden dabei furchtbar generisches osteuropäisches Zeug. In diesem Chaos sucht Jack O’Lantern auf Anweisen seines Auftraggebers einen (generischen) Wissenschaftler, der es geschafft hat eine Unterart des Marvel-Metals Vibranium in eine Waffe zu verwandeln. Diese Erfindung würde sich Jacks Chef gerne vergolden lassen. Genau das soll unser Titelheld verhindern, und so springt er aus einem Helikopter, kämpft sich durch das Krisengebiet und hält dabei einen inneren Monolog der sich liest als habe es die Jahrtausendwende nie gegeben. Natürlich kommt es zum Kampf zwischen ihm und Jack O’Lantern, und genau so selbstverständlich verliert er fast die Kontrolle über den außerirdischen Symbionten. Wieder zu Hause muss Flash feststellen das so ein Doppelleben als Superheld auch seine Schattenseiten hat, vor allem wenn der Zugriff auf die Superkräfte nur temporär ist.

Einen Preis für Originalität gewinnt man mit so einer Story nicht. Das hat wohl auch Remender selbst bemerkt und wirft mit Sprechblasen um sich als würde ihr Haltbarkeitsdatum ablaufen, um dem ganzen noch etwas Substanz zu geben. Doch leider machen es holprige Erklärungen alles andere als besser, bremsen vielmehr Szenen, die vielleicht noch als flotte Popcornaction durchgegangen wären, unnötigerweise aus. Alles wirkt schon hunderte Male gesehen. Natürlich ist der Villain ein gewissenloser Psychopath und verbalisiert dies auch zur Genüge. Natürlich versucht Flash die Unschuldigen zu schützen, zur Not gegen jede Anweisung. Es gibt allerdings auch gute Ansätze. Das Flash den Wissenschaftler kurzentschlossen lieber umlegt als ihn O’Lantern zu überlassen dürfte auf den Einfluss des schwarzen Kostüms hindeuten. Das Flash streng geheimen Superheldenunternehmungen bei seiner Freundin nicht gut ankommen spiegelt schön die Probleme von Flashs großem Idol Spider-Man wieder. Und die Schlusspointe ist ein echter Remender. Aber alles in allem hätte da mehr drin sein müssen. Zumal Dan Slott in Amazing Spider-Man #654.1 gezeigt hat wie man es besser, und nicht so völlig humorlos und düster,macht.

Apropos düster: Auch wenn Tony Moore sicher schon besser Arbeit abgeliefert hat, z.B. zuletzt in Frankencastle, so ein kontrastarmes Coloring hat er nicht verdient. Hätte Jack O’Lantern keinen brennenden Kürbis als Kopf, es wäre wohl alles in einem Matsch aus braun und schwarz versumpft. Das wird nicht besser dadurch dass alle Panels furchtbar busy sind und es wenig Abgrenzung zwischen Vorder- und Background gibt. Manchmal hatte ich sogar Probleme zu erkenne was nun genau in einzelnen Panels vor sich geht. Nicht gut, sowas. Ein Zeichner mit etwas mehr Dynamik wäre für einen netzschwingenden Hauptcharakter vielleicht auch nicht schlecht gewesen. Die verschiedenen Inker fallen da schon gar nicht mehr groß ins Gewicht.

Ich gebe zu, es ist Jammern auf relativ hohem Niveau. Moore ist auch an schlechten Tagen ein überdurchschnittlicher Zeichner. Remenders Dialogen merkt man an das er sich Mühe gibt. Aber von Mühe ist es leider nicht weit bis zu Bemüht. Meine Erwartungshaltung war vielleicht zu hoch, aber in Anbetracht dessen was beide bisher in ihrer Karriere so abgeliefert haben auch angebracht. Immerhin hat Remender Uncanny X-Force, eine ganz furchtbare Grundidee, in eines der besten Comics der letzten Monate verwandelt. Leider schafft es Venom #1 noch nicht den 90er Mief der dem Charakter anhängt abzuschütteln, dafür fehlt es an einem gänzlich neuen Ansatz oder wenigstens an Ironie.
Enttäuschend

Story – Rick Remender
Art – Tony Moore
Inks – Crimelab! Studios
Colorist – John Rauch

Marvel Comics | Mai 2011 | $2.99

6 Kommentare leave one →
  1. 14/04/2011 12:21

    Sehe ich genauso obwohl ich sogar gestehen muss das ich mir das Heft nur von nem Kumpel geliehen habe und es nicht mal ganz zuende gelesen habe weil es so vollgepackt mit Text war der mir total egal war.

  2. 14/04/2011 12:54

    Stimmt. Ich musste mich stellenweise regelrecht durchkämpfen. Der gesamte, ellenlange Dialog zwischen Jack O’Lantern und seinem Auftraggeber erklärte nur den, im Prinzip völlig unwichtigen, Plot.

  3. jackluminous permalink
    20/04/2011 08:28

    Remender’s Uncanny X-Force ist also lesenwert?

  4. 20/04/2011 09:19

    Wenn man z.B. etwas mit Morrisons New X-Men anfangen kann auf jeden Fall.

  5. 20/04/2011 22:50

    Yup. Sehe ich genauso!

Trackbacks

  1. Review #273: Venom #6 (Vol.2), August 2011, Marvel Comics « CRAYTONS COMIC-BLOG

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