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Action Comics (Vol.2) #1

09/10/2011

Ist auch Justice League offiziell DER Titel des „new 52“ Relaunchs, mindestens eben so wichtig dürfte Action Comics #1 sein. War die vorangegangene Action Comics Serie nicht nur der am längsten laufende DC Titel, sonder debütierte dort auch, ebenfalls in Ausgabe #1, der bekannteste Superheld der Welt: Superman. Das ist über 70 Jahre her und seit dem ist so einiges Geschehen, Krypton einige Male explodiert und der kleine Kal-El landet so einige Male auf dem Acker der Familie Kent. Wie also einen Neuanfang gestalten? Mal wieder. Am besten ohne die ganzen andern Neuanfänge zu wiederholen. Also quasi ein Neuanfang des Neuanfangs. Man mag von Grant Morrison als Autor halten was man will, es ist ihm aber wohl kaum abzusprechen, dass es ihm stets gelingt, alten Konzepten etwas neues abzugewinnen. Und somit ist er der Mann für Action Comics #1.

Dabei ist sein Ansatz dieses mal gar nicht so neu. Auch Morrison geht zu Supermans Anfängen zurück. Dennoch, wo einige Autoren wieder Explosion, Rettungsschiff, Kents abgeklappert hätten werden diesmal Supermans Comicanfänge, Siegel und Schusters Originalversion aus Action Comics #1, zitiert. Ein jähzorniger, arroganter junger Held für dem Gerechtigkeit wichtiger ist als das Gesetz und dessen Powerlevel zwar beachtlich, aber doch weit unter dem des späten Mann aus Stahl liegt. Er ist kugelsicher, aber nicht unverwundbar, stark, aber kein Planteneschubser. Und wo Supes zuletzt in einem Blinzeln um die Welt fliegen konnte muss sich der neue alte Superman mit (Hoch)haushohen Sprüngen begnügen.
Das ist ebenso originell wie interessant, bezieht aber seinen Reiz nicht unerheblich, ähnlich einer What If?-Story, aus den Unterschieden zum bereits bekannten Superman. Das neue Konzept wird zwar routiniert eingeführt, ebenso wie Supermans Alter Ego Clark Kent und sein Erzfeind Lex Luthor, lässt aber auch echte Höhepunkte vermissen. Die Actionszenen, wie der Kampf gegen eine Abrissbirne bzw. einen entgleisenden Zug sind derartige Klischees, dass man sich fragt, ob es eine Art Hommage darstellen soll. Es fehlt nur noch die Katze im Baum, die die der Held retten und unversehrt in die Arme einer ältlichen Dame mit Dutt zurückgeben kann. Was bleibt also, wenn man sich in einer heimchirurgischen Aktion eine Stricknadel durch die Nase, genau in die Stelle des Hirns, schiebt, in der die Erinnerungen an den alten Superman verborgen liegen, und sich so der Vergleichsmöglichkeit beraubt. Genau genommen eine 08/15 Superheldenstory. Solide erzählt, aber schon 1000 mal gesehen.
Aber was wenn der doppelte Boden einen doppelten Boden hat, man sich die Stricknadel etwas zu weit in die graue Masse schiebt und den Teil erwischt, der sich an alle Superheldenstories erinnert. Dann hat man eine, nein DIE Geschichte über den allerersten Superhelden (und genau das ist Superman), der versucht das Richtige mit seinen Kräften zu tun. Und über eine Stadt und deren Bewohner die solch einem übermenschlichen Wesen das erste Mal begegnet und die lernen müssen damit umzugehen. Und das klingt so uninteressant nicht.

Rags Morales bodenständiger Zeichenstil passt hervorragend. Seine Stärke sind die Zivilisten, hier mehr als nur Deko im Hintergrund eines larger-than-life Superheldenkampfes gegen galaktische Bedrohungen, sondern vollwertige Protagonisten in individuellen Outfits. Sein Clark Kent ist ein sympathischer Kerl von nebenan, und auch seinem Superman kauft man das Jeans und T-Shirt Kostüm jederzeit voll ab. Im Storytelling könnte es manchmal mehr Klarheit geben. Der Kampf gegen Abrissbirne und Panzer wirkt etwas chaotisch und man weiß nicht immer wer sich gerade wo befindet. Das sind aber kleiner Mängel die nicht groß ins Gewicht fallen. Morales ist schon der richtige Mann, trägt er doch nicht unerheblich dazu bei die neue Normalität des Titelhelden zu transportieren.

Nun, wie bewertet man einen Titel der nur unter der richtigen Grundhaltung funktioniert. Ich selbst war, und bin eigentlich immer noch, sehr ambivalent gegenüber Action Comics #1. Beim ersten Lesen rauschte es noch ohne große Höhen und Tiefen durch. Erst beim zweiten Anlauf entfaltete sich das Potential und regelrechte Vorfreude und Neugierde auf #2 und dem was Morrison aus dem neuen Ansatz macht. Und so soll es ja sein.
So weit, so gut


Writer – Grant Morrison
Penciller – Rags Morales
Inker – Rick Bryant
Colorist – Brant Anderson
Letterer – Patrick Brosseau

DC Comics | November 2011 | $3.99



Weitere Reviews gibt es bei Crayton und Tofu

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