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Near Death #1

28/11/2011

Marham ist Profikiller. Als er bei einem Job schwer verletzt wird schleppt er sich mit letzter Kraft zu der befreundeten Tierärztin Sutton, die ihn schon des öfteren zusammengeflickt hat. Dieses mal hört allerdings sein Herz auf dem OP Tisch auf zu schlagen. Sutton kann Markham zwar ins Leben zurückholen, allerdings nicht bevor dieser eine Erfahrung im Jenseits macht die ihn verändern soll. Er begegnet seinen Opfern die ihm klar machen dass es sehr wohl ein Leben nach dem Tod gibt, in dem für ihn nur ein Platz in der Hölle reserviert ist. Um dies noch abzuwenden, beschließt Markham von nun an, Leben zu retten. Und er fängt direkt bei dem Ziel seines letzten Jobs an.

Für wen das schwer nach dem Piloten einer Fernsehserie klingt, dem sei gesagt, das kommt nicht von ungefähr. Zwar ist Autor Jay Faerber bisher im Comicgeschäft eher durch Superheldenserien aufgefallen, und zwar positiv, dennoch gehört er seit einiger Zeit zum Autorenteam der neuen Sarah Michelle Gellar Serie Ringer. Und wie bei einem Piloten hat er hier das Problem das Setup, quasi Markhams Origin, rüberzubringen und gleichzeitig noch etwas Story zu präsentieren. Nicht umsonst sind Pilotfolgen gerne mal etwas länger. Near Death #1 hat allerdings nur die mittlerweile üblichen 20 Seiten. Da wird es eng. Faerber entscheidet sich für den Mittelweg und widmet beiden Storyteilen die Hälfte des Heftes. So kommt aus meiner Sicht beides zu kurz. Der Gesinnungswechsel des Killers lässt Tiefe vermissen. Es wäre angebracht gewesen sich mehr mit dem Entscheidung auseinander zu setzten. Statt dessen wacht Marham aus der Narkose auf und hat seine Entscheidung bereits gefällt. Da weder Setting noch Hauptcharakter hier an Facetten gewinnen wäre es möglich gewesen das Konzept auf noch wenige Seiten zu raffen und der Rettung des letzten Ziels mehr Platz einzuräumen. Denn auch hier mangelt es an Wendungen und Ansätzen. Wie auf einer Schiene läuft die Story die nötigen Haltestellen ab. Den Cliffhanger hat man schon so oft gesehen, man könnte ihn fast klassisch nennen.

Im Anhang schreib Faerber, dass er für diese Art Geschichten erst den richtigen Zeichner finden musste. Böse Zungen könnten behaupten jemanden der versucht Sean Phillips zu imitieren. Phillips hat mit Ed Brubaker das Genre Krimi im Comic quasi im Alleingang wiederbelebt hat, und so muss ich Simone Guglielmini wohl oder übel mit ihm messen lassen. Und da kommt er nicht gut weg. Nicht falsch verstehen, Near Death sieht nicht schlecht aus, es fehlt aber das gewisse Etwas. Ich tippe auf heftigen Einsatz von Photoreferenzen, was ja nichts verwerfliches ist, aber vor allem die Personen oft etwas steif und leblos aussehen lässt. So auch hier. Die doppelseiteige Spreadpage mit Markhams Opfern im Jenseits müsste die Wow-Szene des Heftes sein, wirkt aber wie ein Collage deren Wirkung so leider verpufft.

Das klingt jetzt alles ganz furchtbar, aber so schlecht ist Near Death wirklich nicht. Die Erstausgabe ist ein durchaus solides Comic, das nur aus der ganz spannenden Grundidee leider nicht genug macht. Noch nicht. Den Potential ist durchaus vorhanden. Es wird z.B. klar das Markham nicht wirklich vom Saulus zum Paulus mutiert sondern nach wie vor aus niederen Motiven handelt. Es geht ihm nur nicht mehr ums Geld, sondern um einen erträglichen Platz im Leben nach dem Tod. Daraus lässt sich in Zukunft einiges machen. Dafür muss Markham aber zu einem echten Charakter reifen, noch ist er blass und ohne eigene Stimme und wenig mehr als ein Plotpunkt.
Ganz okay, aber muss besser werden


Story – Jay Faerber
Art – Simone Guglielmini
Color  – Ron Riley
Letters – Charles Pritchett
Cover – Tomm Coker & Daniel Freedman

Image Comics | September 2011 | $2.99

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