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Haunt #19

08/01/2012

Das neue Creative Team ist da, und es wurde auch, verdammt noch mal, Zeit. Autor und Haunt Co-Erfinder Robert Kirkman wusste nie wirklich was mit seiner eigenen Kreation anzufangen und hatte sich in den letzten Ausgaben bereits mental vom Titel verabschiedet. Zeichner Greg Capullo fühlte sich, zu Recht, zu Höherem, und vor allem Lukrativerem, berufen und entschwand in Richtung DC, wo er derzeit mit Batman für Furore zu sorgen. Nachvollziehbar. Da DC nicht wartet war er gezwungen das, wie man bei uns sagt, Messer in der Sau stecken zu lassen. Und so war die #18 eine zusammengeflicktes Machwerk mit einer knappen Hand voll Zeichnern. Neben Capullo musst u.a. die andere Hälfte des Haunt-Erfinder Duos, Todd McFarlane, mal wieder zum Zeichenstift greifen um das Heft zu vollenden. Man kann von McFarlane halten was man will, aber er haut nicht so leicht in den Sack. Immerhin ist Spawn einer der am längsten laufenden Indie Titel, und auch Haunt gibt er nicht kampflos auf. Sitzengelassen mit einem in den Boden geschriebenen Titel, der kaum noch jemanden interessiert schlägt er einen Haken und engagiert Joe Casey und Nathan Fox.

Casey und Kirkman könnten kaum unterschiedlich sein. Kirkmans Arbeit ist völlig frei von Analogien, seine Dialog deskriptiv. Casey lieber es blumiger und schichtet Ebene auf (Meta)Ebene. Er hat sich mehr als ein mal selbst in seinen Comics auftauchen lassen. Wenn der Geist von Kurt relativ zusammenhangslos „I dunno if we should see any of this as some kind of new beginning…it’s different than that. It’s more than that“ äußert fragt man sich, ob hier nicht der Autor durch ihn zu uns spricht. Passend dazu nutzt Casey seine erste Ausgabe um Tabula Rasa zu machen. So ziemlich jedes bekannte Element abseits der Titelhelden taucht nur auf um eliminiert zu werden. Das ist natürlich schade für alle Fans der zahlreichen Nebenfiguren, aber mal ehrlich, viel hatte Kirkman eh nicht draus gemacht. Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass der eine oder andere zu einem späteren Zeitpunkt wiederkehrt, ich würde aber nicht drauf warten. Ein Element behält Casey jedoch: die Gewalt. Haunt war schon von Heft 1 an ein sehr gewalttätiges Comic. Es rollten, nein, flogen Köpfe, Hände, Finger und Torsos wurden horizontal und vertikal geteilt, begleitet von einer für solche Aktionen angemessenen Menge Blut. Dies wurde kaum hinterfragt oder thematisiert und war mehr Stilmittel als alles andere. Wenn Haunt mal wieder einen seiner namenlosen Gegner zerfetzte war das Teil des Jobs und sollte möglichst spektakulär aussehen. Hier aber hakt Casey ein und es steht irgendwann die Frage im Raum, ob diese ausufernde Brutalität nicht Teil des, nach wie vor mysteriösen, Haunt-Wesens ist. Ein Ansatz. Endlich mal.

Ein noch größeres Risiko als mit Casey ging McFarlane mit Nathan Fox ein. Nicht nur ist Fox kaum bekannt, auch weicht sein Stil so dermaßen von den beiden bisherigen Zeichnern Ottley und Capullo ab wie man es sich nur vorstellen kann. Skittzenhaft, mit fetten Linien und Panels die oft nur ein Gefühl vermitteln, statt klar die Szene zu beschreiben, würde man Fox eher einem Migonal-Titel zuordnen. Superhelden, und ein Superheld  ist Haunt ja im Grunde, fallen einem nicht als erstes ein. Es funktioniert trotzdem wirklich gut und hat den Vorteil, dass er sich nicht mit seinen Vorgängern vergleichen lassen muss. Dabei wären die wenigsten gut weggekommen. Colorist FCO Placencia darf sich auch austoben. Er verleit den unterschiedlichen Szenen die passende Stimmung und arbeitet in einer Traumsequenz mit Color Holds, die auf Fox schweren Linien natürlich super aussehen. Es wird mit Sicherheit den einen oder andere geben den die Zeichnungen zu chaotisch sind, aber hier muss man sich halt mal etwas reinknien. Wirklich unklar bleibt dann eigentlich nichts.

Ich gebe ja zu, ich hatte zu Beginn meinen Spaß an Haunt. Es war hirnlose Action mit viel 90er Nostalgie, Geballer, Geschnetzel  und einer nicht zu tiefgründigen Blockbuster-Spionage-Handlung. Lange konnte das allerdings nicht gut gehen. Und es ging auch nicht lange gut. Ein Richtungswechsel hätte eigentlich schon kurz nach dem ersten Storyarc her gemusst. Der nun vollzogene Schnitt ist  wirklich sehr radikal. Ein wenig mehr hätte Casey vom etablierten Setting schon lassen können. Davon ab macht mir der Cliffhanger richtig Bock auf die nächste Ausgabe, und das gab es bei Haunt schon länger nicht mehr. Mission also erfolgreich.
Gut


Writer – Joe Casey
Art – Nathan Fox
Color  – FCO Plascencia
Lettering – Comiccraft

Image Comics | November 2011 | $2.99

3 Kommentare leave one →
  1. 11/01/2012 08:30

    Klingt ja so als wäre das ne gute Gelegenheit mit diesem Heft in die Serie einzusteigen?!

  2. 11/01/2012 09:10

    Die Gelegenheit ist super. Hab nun auch das zweite Casey/Fox Haunt-Heft gelesen. Ist nach wie vor kein „must have“, aber Spaß macht das schon, vor allem wegen dem wirklich abgefahrenen Artwork.

  3. 11/01/2012 11:10

    Tja dann wird es wohl Zeit das ich auch einsteige!😉

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