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Fury MAX #1

10/07/2012

Ich hätte nicht wirklich geglaubt Garth Ennis noch einmal bei Marvel zu sehen. Der Punisher war die perfekte Figur für ihn, und der war, nach eigenen Angaben, auserzählt. Aber nun braucht Nick Fury, S.H.I.E.L.D. Agent und Kriegsheld, seine Hilfe. Hatte Ennis Frank Castle noch, zunächst im Marvel Knights Imprint, selbst durch den Kakau gezogen, nur um ihn im direkten Anschluss in einem bis heute definitiven Run wieder als ernst zunehmenden Charakter aufzubauen, ist die Verwässerung Furys vor allem einem Mann zuzuschreiben. Samuel L. Jackson. Man kann es ihm nicht mal vorwerfen. Wer könnte schon der Versuchung widerstehen, das Vorbild für einen Comic-Character abzugeben. Erst recht wenn es sich um so einen harten Hund wie Colonel Nicholas Joseph Fury handelt. Zunächst wurde Fury in Marvels alternativen Ultimate Comic Reihe visuell, als auch er Attitüde nach, dem Schauspieler Jackson angepasst. Später dann verkörperte er den Agenten auch in diversen Marvel-Filmen. Und er macht sein Ding ja gar nicht schlecht. Wie er da auf der Brücke des Helicarriers zwischen den Monitoren steht, als sei es ein Pokertisch, an dem er blufft, raised und wenn es sein muss auch foldet. Kauf ich ihm ab, den Fäden ziehenden Superagent. Was ich ihm nicht abkaufe, ist der Kriegsheld. Der Veteran. Jacksons Fury seh ich nicht im Zweiten Weltkrieg, als Anführer des Howling Commandos. Ich seh ihn nicht mal im Vietnamkrieg.

Garth Ennis‘ Fury hingegen war in jedem Krieg. Spielte Fury MAX #1 im amerikanischen Bürgerkrieg, ich würde nicht lange nachrechnen, Jahreszahlen und zu erwartende Lebensspannen beiseite wischen und bestätigend nicken. Zunächst ist es jedoch 1954 und Colonel Fury ist in Indochina stationiert. Dort macht er die Bekanntschaft eines US Abgeordneten (und seiner Sekretären), der ihm nahelegt ein französisches Militärlage zu begutachten, das dringen amerikanische Unterstützen nötig hat. Und das…äh…war es im Großen und Ganzen auch schon. Dass diese #1 trotzdem funktioniert liegt an Ennis unglaublichem Talent Figuren zu entwickeln. An der letzten Seite angelangt (auf der erstmals etwas von Ennis typischem Humor durchschimmert) kennt man alle Beteiligten besser als die anderer Serien nach ein oder zwei Paperbacks. Auch dass es schon wieder, im weitesten Sinne, um Vietnam geht, ein Feld, dass der Autor schon in Punisher MAX ausgiebig beackert hat, ist keinesfalls redundant. Frank Castle war nur ein Soldat, ein Spielball. Zwar ein mit Nägeln und Rasierklingen gespikter und mit Sprengstoff gefüllter Spielball, aber doch den Entscheidungsträgern ausgeliefert. Fury spielt da in einer anderen Liga und gibt Ennis die Möglichkeit mehr von der Mechanik hinter dem Krieg zu zeigen. Mehr Thriller als Action.

Zeichner Goran Parlov, ebenfalls ein alter Bekannter aus Punisher MAX Tagen, passt perfekt. Zum einen schwingt in seinen Zeichnungen der Geist Joe Kuberts mit, der ja u.a. mit Sgt. Rock das Genre Kriegscomic geprägt hat wie kein anderer. Als Fury gegen Ende zur Militärbasis aufbricht kann Parlov richtig glänzen.Jeeps. Schützengräben. Stacheldraht. Genau sein Ding. Außerdem gelingt es ihm, im Gegensatz zu vielen Kollegen, Figuren auch ohne Hilfe von bunten Kostümen, ein distinktives Äußeres zu verleihen. Das hier fast ausschließlich mit Widescreen-Panels gearbeitet wird kann ich ihm verzeihen. Der cineastische Look passt eigentlich ganz gut zur sehr reduzierten und bodenständigen Story, die auch keine verspielten Layouts fordert.

Ennis in Hochform, ein fantastischer Zeichner und als Bonus noch Cover vom immer treffsicheren Dave Johnson. Da freu ich mich doch, das Marvel den Titel von einer Miniserie zu einer Ongoing befördert hat. Sehr gut


Writer – Garth Ennis
Artist – Goran Parlov
Colors – Lee Loughridge
Lettering – Rob Steen

Marvel Comics | July 2011 | $3.99

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