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Jupiter’s Legacy #1

31/05/2013

jupiters-legacy-1Eigentlich wollte ich ja keine Mark Millar Comics mehr lesen. Er hat mir zwar nichts getan, ich finde ihn als Person sogar recht unterhaltsam. Und Wanted ist ein großartiges Comic. Aber alles was danach kam, war stilistisch nicht mehr meins. Es sind meist irgendwelche Was-wäre-wenn-Szenarios, die zwar ganz interessante Ideen als Basis haben, in der eigentlichen Story da aber nicht genug rausholen. Und auch Jupiter’s Legacy ist zunächst nur eine Was-wäre-wenn-Idee. Was wäre wenn sich die Kinder populärer und einflussreicher Superhelden so verhalten würden wie viele Kinder reicher und einflussreicher Geschäftsmänner. Was wäre Paris Hilton Supermans Tochter wäre. Warum hab ich den Titel dann trotzdem in der Pulliste? Zum einen wäre da Zeichner Frank Quitely. Auch wenn sein Zeichenstil durchaus kontrovers ist – ich mag ihn – gehört Quitely zweifelsohne in die Oberliga der US Comicszene. Zum anderen mag ich Image. Wenn also zwei so profilierte Comicschaffende dort einen neuen Titel veröffentlichen, muss ich sehen was es damit auf sich hat. Hype? Meinetwegen.

Und wie ist Jupiter’s Legacy nun geworden? Ganz okay, ist die kurze Antwort. Die Geschichte beginnt in der Zeit der großen Wirtschaftskrise. Eine Hand voll aufrechter Amerikaner möchte dem Land helfen, auch wenn sie finanziell alles verloren haben. Sie folgen einem Traum, der von einer Insel erzählt, die ihnen dies ermöglichen soll. Und die Insel gibt es tatsächlich. Schnitt. Es ist 2013 und der Nachwuchs hängt in Clubs rum und hat keinen Bock. Keinen Bock auf Superschurken vermöbeln. Keinen Bock auf Welt retten. Und eigentlich auch keinen Bock rumzuhängen. Und das äußern sie derart offensichtlich und plakativ, dass es mir dort bereits den einen oder anderen Augenroller gegenüber Millars Schreibstil entlockt. Nein, subtil ist der Mann wirklich nicht. Am Ende gibt es dann noch einen Cliffhanger, der eher mäßig effektiv ist, weil dem Leser zu dem Zeitpunkt noch keine der Figuren etwas bedeuten dürfte. Das war es auch schon. Immerhin verzichtet Millar auf die für ihn typisch gewordenen, auf 11 gedrehten Schocker und Tabubrüche. Zumindest vorerst.

Aber wegen Millar bin ich ja eh nicht an Board. Kann Quitely es also rausreißen? Hmmnaja geht so, ist die kurze Antwort. Jupiter’s Legacy sieht hervorragend aus, keine Frage. Aber von Quitely erwarte ich ein kleines bisschen mehr als nur hervorragend. Der Schotte ist der richtige Mann, wenn es darum geht, abgefahrene Szenarien und super-detaillierte, bis ins kleinste Detail choreographierte Action zu inszenieren. Man sehe sich nur All-Star Superman oder WE3 an. In Jupiter’s Legacy #1 gibt es aber hauptsächlich Dialoge, gesprochen von umherstehenden oder -sitzenden Charaktern. Es gibt eine große Actionszene, die aber weitestgehend unspektakulär und distanziert wirkt. Klar, hier will Millar uns zeigen, darum geht es gar nicht. Dies ist keine epische Superheldenklopperei, hier geht es um die Figuren. Und auch wenn es aus erzählerischer Sicht eine gelungene Abwechslung ist, mit Quitely am Ruder hätte ich mir mehr Wumms gewünscht. So gibt es nur eine Splashpage, die dann auch bezeichnenderweise eines der beiden optische Highlights des Heftes darstellt. Das andere ist die Illustration des Übergangs in eine telepathische Traumwelt, in der Quitely und Kolorist Peter Doherty geschickt verschiedene Stufen der Artworkerstellung nutzen. Der Rest ist kompetent, solide, sogar sehr gut, aber unter Quitelys Möglichkeiten.

Jupiter’s Legacy #1 ist weder richtig gut, noch total schlecht. Es ist einfach unglaublich mittig. Okaye Story. Okayes Artwork. Aber einfach halt nicht das, was man sich bei den beteiligten, und dem Hype, so vorgestellt hat. Hätte Millar das Ding mit grandiosem Schwachsinn an die Wand gefahren, oder Quitely eine atemberaubende Seite nach der anderen rausgehauen, wären meine Erwartungen erfüllt worden. Aber so weiß ich nicht recht was damit anzufangen. Klar, der Titel hat Potential, dies hier ist gerade mal die erste halbe Stunde des typischen Kinofilms. Aus dem Generationenkonflikt lässt sich einiges machen. Außerdem existiert noch das Geheimnis um die Insel. Wie so oft bei einer #1, gerade bei einer Miniserie, und umso mehr wenn der Autor Millar heißt, steht und fällt die Sache mit dem was noch kommt. Also warten wir mal ab.
So lala


Writer – Mark Millar
Artist – Frank Quitely
Colors, Letters, Design – Peter Doherty

Image Comics | April 2013 | $2.99

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