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Ten Grand #1

01/08/2013

Ten-Grand_1_AJau. Auch mit Ten Grand bin ich spät dran. Ich hab das Heft zwar bei erscheinen direkt gekauft (bzw. die Serie sogar ins Abo packen lassen), aber Böcke es zu lesen hatte ich keine. Zugeschlagen habe ich eigentlich nur wegen Ben Templesmith, der auf meiner „Ich kaufe alles was er macht“-Liste steht. Auf einer ganz anderen Liste steht Ten Grand-Autor J. Michael Straczynski – wegen des buchstabier-unfreundlichen Nachnamens meist nur JMS genannt. JMS hat wohl die drei bis vier katastrophalsten Spider-Man Stories verbrochen, die jemals verbrochen wurden. Und auch bei den Fantastic Four und Superman hat er sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Ich bin ja nicht nachtragend, aber der gute Stracyxvwowxzyzfkowski sollte mir eigentlich nicht mehr ins Haus. Aber wer ahnt denn sowas? Templesmith gibt es auf absehbare Zeit nicht ohne JMS, also in den sauren Apfel gebissen. Und wenn das Teil hier rumliegt, kann man es ja auch lesen.

Das Idee von Ten Grand ist ziemlich High Concept. Joe ist ein Auftragskiller, der sich mit Himmel und Hölle einlässt, für ein paar Minuten mehr mit seiner ermordeten Freundin. In der übrigen Zeit ist er selbstverständlich schlecht gelaunt, selbstverständlich mit Kippe auf dem Zahn, und erinnert daher selbstverständlich an John Constantine. Aber das ist gar nicht so schlimm, wie es sich anhört. Denn zum einen gibt es Constantine (den echten Constantine) ja nicht mehr, zum anderen hat JMS ein paar ganz nette Einfälle für die Welt, in der Ten Grand spielt. So stiefelt Joe mit einer „Engeltastatur“ in ein Internetcafe und hat Dank des erweiterten Alphabets Zugriff auf Seiten, die Normalsterblichen verwert bleiben. Klingt etwas cheesy, aber funktioniert. Auch die ausführlichen inneren Monologe sind in dem Kontext natürlich keine Überraschung. Die wirken aber wie aus einem Pulp-Roman, sind nie langweilig und passen hervorragend zu der runtergekommenen Stimmung. Die größte Stärke von Ten Grand ist, dass es JMS nicht nur gelungen ist, die Grundidee rüberzubringen – also quasi Joes Origin zu erzählen – sondern Joe auch direkt mit einem aktuellen Auftrag zu versorgen und dem Leser so auch etwas echte Story zu bieten. Endlich noch mal eine #1, die sich nicht nur wie ein Prolog wirkt und bei der man das Gefühl hat, es hätten ein paar Seiten mehr sein dürfen.

Dass ich Fan von Ben Templesmith bin hab ich Eingangs schon erwähnt, und er enttäuscht nicht. Obwohl man ihm schon ein wenig anmerkt, dass Ten Grand für ihn eine Auftragsarbeit ist. Vergleicht man die Seiten mit denen seines eigenen Titel Wormwood: Gentlemen Corpse gibt es dort die größeren Ideen, die abgefahreneren Zeichnungen, zu sehen. Aber Ten Grand sieht natürlich trotzdem toll aus. Gerade wenn die übernatürlichen Elemente ins Spiel kommen haut Templesmith richtig auf die Kacke. Da zahlt es sich aus, das der Australier sein gesamtes Artwork, also auch Inks und vor allem Farben und Effekte, selbst macht. Aber da ist noch Luft nach oben. Aber ich schätze mit fortschreitender Geschichte kommt noch die eine oder andere Szene, in der Templesmith so richtig Gas geben kann.

Mea Culpa. Ten Grand #1 macht richtig Spaß und füllt ein wenig die Lücke, die Hellblazer hinterlassen hat. JMS Dialoge sind gelungen und die erste Ausgabe ist geradezu vorbildlich strukturiert. Templemsit düsteres und einzigartiges Artwork passt perfekt zum Auftragskiller mit den übernatürlichen Verbindungen. Gut, das Rad wird hier nicht neu erfunden, aber die Ausführung reißt das locker wieder raus.
Vielversprechend


Writen by:  J. Michael Straczynski
Illustrated by: Ben Templesmith
Letters by: Troy Peteri

Image | May 2013 | $2.99

4 Kommentare leave one →
  1. 02/08/2013 08:03

    Mit JMS ist es halt so ähnlich wie z.B. auch mit Kevin Smith: Eigene Sachen oft super, aber bitte nicht an Mainstream-Superhelden lassen.

  2. 02/08/2013 08:47

    Schon richtig. Das Hauptproblem mit JMS Mainstream-Superhelden-Kram ist ja, das er den Kern der Figur und die gründe wie und warum sie funktionieren, nicht erfasst und seine Storys genau dagegen laufen. Das kann ja bei Eigenkreationen nicht passieren. Nur wenn man zuletzt ausschließlich solche Gülle von ihm gelesen hat, ist es schwer, sich vorzustellen, dass in ihm ja doch irgendwo ein zumindest kompetenter Autor steckt.

  3. 02/08/2013 08:57

    Midnight Nation und Rising Stars fand ich ja ziemlich gut. Vom optischen waren die nicht so toll, aber es waren gute, runde, handwerklich super erzählte Stories, was ich generell mag. Das, und Charakterzeichnung/ Dialoge kann JMS halt schon ziemnlich perfekt.
    Sowas wie Spidey oder Supes kann er aber einfach nicht, weil er dabei sofort Sachen umkrempeln will, die nicht umgekrempelt gehören.

  4. 02/08/2013 09:26

    Ich hab bei Rising Stars wegen des Veröffentlichungsrhythmus und auch wegen des Artworks irgendwann die Flinte ins Korn geworfen. Bis dahin war es aber ganz gut.
    Und auch Spidey war zunächst ja ganz brauchbar, bis es eben dann mit dem anfing, was du erwähnst.

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