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Collider #1

21/08/2013

colliderWer hier nicht zum ersten mal reinliest, dem dürfte aufgefallen sein: ich war richtig scharf auf Collider. Eine neue Science Fiction Serie, als Ongoing, bei Vertigo, von Simon Oliver, das muss was für mich sein. Als dann die ersten Preview-Seiten auftauchten, war ich völlig hin und weg. Robbie Rodriguez Zeichenstil trifft genau meinen Nerv. Collider spielt in einer Welt, in der es immer wieder zu Aussetzern der Gesetze der Physik kommt. So kommt es vor, dass Schüler einer High School durch die Gegend schweben, weil es gerade mal mit der Gravitation hakt. Wie man bei einem Brand die Feuerwehr ruft, wird in einem solchen Fall das FBP, das Federal Bureau of Physics, gerufen, um den Schaden zu beheben und die Naturgesetze wieder in den Normalzustand zu versetzen. Einer der FBP Agenten ist Adam Hardy, für den der Job nur wenig mehr ist, als die Lohnabrechnung am Ende des Monats.

Oliver setzt relativ spät in die Grundidee von Collider ein. Nur die ersten beiden Seiten widmen sich dem ersten Auftauchen der physikalischen Phänomene. Anschließend gibt es einen Zeitsprung von mehr als 20 Jahren. Gelegentliche Gravitationsausfälle sind nichts erfreuliches, aber auch keine Überraschung mehr. Die FBP ist schon eine etablierte Institution. Die Panik hält sich in Grenzen. Das gibt Oliver die Möglichkeit, die FDP-Agenten, allen voran Hardy, als Handwerker darzustellen. Sie sind hochqualifizierte Fachleute in dem was sie tun – ähnlich eines Schiffsschweißer – aber keine Superagenten, oder gar Superhelden. Hardy kommt zu spät zum Einsatz, wegen einer Frau, und muss sich den Anpfiff seines Vorgesetzten anhören. Keine Privilegien. Keine Mulder und Scully. Keine Fringe-Devision. Diese Jedermann-Story im Angesicht ungewöhnlicher Ereignisse war bereits eine Qualität, die Olivers viel zu früh eingestellter Serie Serie The Exterminators so spannend machte. Schön, dass der Autor dieses Konzept in Collider rüberretten konnte. Darüber hinaus gibt es etwas Action und ein wenig Verschwörung. Alles solide Zutaten für eine Sci-Fi-Mysteri-Serie. Etwas zu solide, wenn ich ehrlich bin. Ich hatte mir Collider bei der Thematik innovativer, oder wenigstens schräger vorgestellt. Dieses unaufgeregte „Männer bei der Arbeit“-Ding ist also kurioserweise zugleich Stärke, als auch Schwäche von Collider.

Eine absolute Überraschung, im positiven Sinn, ist für mich Zeichner Robbie Rodriguez, Ich kannte den Mann bisher nur als Gastzeichner in Haunt, wo er Nathan Fox (der bei Collider übrigens für die Cover verantwortlich ist) eine Atempause ermöglichte. Dort lag sein Stil irgendwie näher an dem expressionistischem Chaos von Fox. Hier erinnert sein Strich ein wenig an den großartigen Sean Murphy (Joe The Barbarian, Punk Rock Jesus). Filigran, aber trotzdem dynamisch. Alles Charaktere haben einen eigenen Look und ausdrucksstarke Mimik, die Gelegentlich an (gute) Animationsfilme erinnert. Collider sieht toll aus. Auch Dank der mutigen wie poppigen Farbpallette von Colorist Rico Renzi. Er ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass die ungewöhnlichen Phänomene auch wirklich ungewöhnlich aussehen. Das macht schon einiges her. Und wenn man bedenkt, dass es sich hierbei um die erste Ausgabe handelt, dürften da noch einige optische Leckerbissen vom Team Rodriguez und Renzi kommen.

Vielleicht war mein Erwartungshaltung einfach zu hoch. Collider sollte mich total umblasen, und ist jetzt einfach „nur“ sehr gut. Eigentlich unfair von mir. Die Grundidee ist spannend, alle Charaktere haben Profil, Erzählweise wie Dialoge sind solide, und das Artwork ist grandios. Und das alles bereits in der ersten Ausgabe. Das ist dann doch Meckern auf sehr hohem Niveau. Zumal die letzte Seite bereits andeutet, dass die kommenden Ausgaben weitaus mehr Weirdness zu bieten haben werden. Man sollte ja nicht sein ganzes Pulver bereits zu Beginn verschießen.
Wer Collider übrigens im Comicregal nicht finden kann: das ausverkaufte First Printing der #1 wird als einziges diesen Titel tragen. Die Serie musste umbenannt werden und heißt von hier ab, also ab #2, im Second Printing der #1 und in kommenden Trades FBP: Fedral Bureau of Physics. Mehr dazu hier.
Sehr gut


Writer: Simon Oliveri
Artist: Robbie Rodriguez
Colors: Rico Renz
Letters: Steve Wands

DC/Vertigo | September 2013 | $2.99

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