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Velvet #1

20/12/2013

velvet1a-covWenn man mich fragt, welcher Run an bekannten Superheldentiteln zu meinen liebsten zählen, landet Ed Burbakers und Steve Eptings Captain America locker in der Top 3. Also ganz locker. Dieser eigentlich lupenreine Agententhriller, der trotzdem den Charakter nicht ganz umkrempelt oder die Superheldenwurzeln leugnet. Immer noch sehr empfehlenswert. Da war die Freude natürlich groß, als Brubaker einen neuen Agententhriller ankündigte. Wieder mit Epting. Diesmal ohne Superhelden, dafür bei meinem Lieblingspublisher Image.

Der Aufhänger von Velvet ist der, dass statt Cap, Bond oder Bourne hier Velvet Templeton im Mittelpunkt steht, die zwar auch über Erfahrung als Field Agent verfügt, mittlerweile aber eher eine Art Sekretärin der Geheimorganisation ARC-7 ist. Als einer der Topagenten in eine Falle tappt und sein Leben lassen muss, ist es Velvet, die nicht nur an der offiziellen Geschichte zweifelt, sondern auch ein persönliches Interesse hat, ihren Quasi-Ruhestand zu beenden und sich der Sache anzunehmen. Klingt jetzt nur mäßig originell, aber Brubaker setzt die Szenerie absolut charmant und treffsicher um, da wird der Fall zur Nebensache. In den 70ern – mit Rückblenden in die 60er – angesiedelt, dürfen hier die Agenten noch Smokings statt Kevlar tragen und in schicken Sportwagen statt schwarzen Limousinen rumfahren. Und es wird geraucht. Aber so richtig. Dieser Retrocharme hilft Brubaker dabei, mit Velvet glaubhaft eine Nische zu besetzen zwischen realistischer Spionagearbeit und James Bond-Romantik. Und das ist vielleicht genau der Punkt, der Velvet ausmacht.

Doch so richtig verantwortlich dafür, wie gut die Welt – und Zeit – in der Velvet spielt funktioniert, ist Zeichner Steve Epting, der hier die wohl beste Arbeit seiner Karriere abliefert. Während es vielen Zeichner davor graut, Autos zu Papier zu bringen, schein Epting dabei geradezu aufzublühen. Sahen seine Actionszenen in Captain America teilweise noch etwas steif aus, ist auch dieser Kritikpunkt passe. Wenn man unbedingt meckern will, kann anmerken, wie stark die Photoreferenzen teilweise in seinen Hintergründen durchschimmern. Aber da Eptings Stil allgemein eher realistisch ist, fügt sich dieser Umstand relativ gut in das Gesamtbild ein. Das hat man schon schlimmer gesehen. Gewohnt gut ist auch die Koloristin Elizabeth ‚Bettie’ Breitweiser, die ebenfalls bereits bei Captain America an Board war und auch Brubakers anderen Image-Titel Fatale koloriert. Sie schafft es, den Titel trotz der vielen Szenen in blau-grauer Dunkelheit angemessen warm und…ja…70er-mäßig aussehen zu lassen. Ihr nächtliches New York mit den orangen Lichtern sieht fantastisch aus.

Ein filmreifer Auftakt für Brubaker, Epting, Breitweiser und Velvet Templeton, der leichte Schwächen in der Story durch ein gelungenes Setting und den perfekt getroffenen Ton wieder wettmacht. Aber Brubaker ist ja gemeinhin eher ein Mann des Wie, statt des Was, wie man schon bei seiner Icon-Serie Criminal sehen konnte. Auch da waren die Kriminalstorys ziemlich klassisch, erzeugten aber genau das Gefühl, welches man von dieser Art Comics erwartet. Und Velvet haut in eine ähnlich Kerbe. Ob das auf Dauer reicht, weiß ich nicht. Als Appetitanreger funktioniert es aber prächtig. Und für eine #1 ist das ja erst mal genug.
Sehr gut

Writer – Ed Brubaker
Artist – Steve Epting
Colors – Elizabeth Breitweiser

Image Comics | Oktober 2013 | $3.50

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