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Plume – Band 1: …wie eine Rauchwolke

22/12/2013

plume-band-1-wie-eine-rauchwolkeNormalerweise beschäftigen sich meine Reviews ja mit Heftchen diverse US Publisher. Plume Band 1:…wie eine Rauchwolke von Dani Books fällt da ziemlich aus der Reihe. Das liegt daran, dass es sich hierbei um mein erstes Review auf der Basis eines Rezensionsexemplars handelt, das mir Dani Books-Chef und Plume-Übersetzer Jano Rohleder freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Danke dafür.

Die mir vorliegende Fassung ist die ins Deutsche übersetzte Printausgabe des Mystery-Westerns der Amerikanerin K. Lynn Smith, den diese im Original als Webcomicreihe veröffentlicht. Und das ist auch das Problem die Stärke das Besondere an Plume. Denn die für Webcomics typische Erscheinungsform von einer Seite pro Woche hinterlässt deutliche Spuren in der Erzählstruktur. Dies äußert sich unter Anderem darin, dass die Story um Vesper Grey und ihren mysteriösen Beschützer Corrick nicht so recht in die Gänge kommen will. Nach den über 150 Seiten des ersten Bandes – auf 5 Kapitel aufgeteilt – gibt es wenig mehr als eine Idee, den Ansatz einer Geschichte. Als hätte man gerade den Pilotfilm einer Serie gesehen, nach dem es erst richtig losgehen soll. Aber dennoch wird es nie wirklich Langweilig, da jede Seite eine eigene kleine Geschichte erzählt und mit einem Schlüsselmoment, einem (milden) Schocker, eine kleinem Gag oder auch einem visuellen Schmankerl endet. Wie es sich für ein Webcomic gehört. Das sorgt für einen hohen Unterhaltungswert, aber auch Stellenweise für Frustration. Denn wenn Smith sich einmal etwas tiefergehenden Ideen oder Charaktermomenten widmet – wie etwa des Rachethemas, welches immer wieder auftaucht – erlaubt sie sich selbst nicht, das weiter zu erforschen, sondern schwenkt mit der nächsten Seite bereits auf einen andern Aspekt um. Schade.
Was Plume an stringenter Story fehlt, macht der Titel mit den Figuren teilweise wieder wett. Vesper, Connick oder auch die Prostituierte Tegan sind sympathisch, schlagfertig, haben eine eigene Stimme und vermeiden typische Westernklischees weitestgehend. Überhaupt vergisst man oft, dass es sich bei Plum um einen Western handelt, was auch am Artwork liegt.

Klar. Smith zeigt alles, was zu einem echten Western gehört. Revolver, Pferde, Saloons. Auch die Kleidung aller Figuren. Das passt schon auf dem Papier. Allerdings ist das Artwork etwas clean und die Protagonisten etwas zu Manga-esque, um wirkliches Westernfeeling aufkommen zu lassen. Selbst wenn eine Kutsche massiv Prärie-Staub aufwirbelt, so richtig schmutzig wird es nie. Was nicht bedeutet, dass Plume schlecht aussieht. Ganz im Gegenteil. Ebenso wie die Handlung ist der Seitenaufbau recht Charakter-zentrisch. Der Bildausschnitt ist immer na dran an den Hauptpersonen, die Hintergründe sind oft nur Muster oder Farbeffekte. Das funktioniert, weil Smith keine Schwierigkeiten hat, ihren Figuren mit der stets passenden Mimik Leben einzuhauchen. In den Fällen, in denen es Hintergründe zu bewundern gibt, sind diese auch wirklich gelungen. So dürfte es sich hierbei eher um eine zeitökonomische Entscheidung handeln, als mangelndes können.
Eine besondere Erwähnung verdient die Koloration, die in den violetten Pastelltönen ebenfalls nicht besonders Western-typisch daherkommt. Dafür sorgt sie für einen wirklich eigenständigen Look, ein echtes Wiedererkennungsmerkmal, das Plume aus der Menge an Veröffentlichungen hervorhebt. Vor allem auf den Seiten, die nur visuelle wirken sollen und kaum Handlung haben, sehen richtig toll aus und zeigen, was in Zukunft noch so alles drin ist.

Ob man Plume nun weiterempfiehlt oder nicht häng stark davon ab, was man von einem Comic erwartet. Wer sympathischen Figuren, gelungenem Artwork und eine tollen Koloration etwas abgewinnen kann und gleichzeitig im Hinterkopf behält, dass die Serie ursprünglich als Webcomic angelegt und dementsprechend strukturiert ist, der wird hier seinen Spaß haben. Dafür sorgt auch der gelungen Mix aus Dramatik, Action und Humor. Sucht man allerdings eine noch nie dagewesene und tiefgehende Story mit typischem Western-Feeling, wird man mit Plume nicht glücklich werden.

Plume – Band 1: …wie eine Rauchwolke ist in jedem Comicshop oder bei Dani Books direkt erhältlich

Story – K. Lynn Smith
Zeichnungen– K. Lynn Smith
Übersetzung – Jano Rohleder

Dani Books | Dezember 2013 | 14.00 €

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